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Dollarisierung Simbabwes hat neue Probleme zur Folge

Januar 19, 2017 - welt ekonomi
Dollarisierung Simbabwes hat neue Probleme zur Folge

Um der Hyperinflation Einhalt zu gebieten, führte Simbabwes Regierung den US-Dollar im Jahr 2009 als offizielles Zahlungsmittel ein. Mussten damals noch Billionen von Zimbabwe Dollars für ein Paket Zucker, Mehl, Zigaretten oder eine Flasche Bier aufgebracht werden, so haben die Händler des Landes heute mit anderen Problemen zu kämpfen. In den meisten Fällen sind sie aufgrund eines nicht vorhandenen Münzumlaufs nämlich schlichtweg nicht dazu in der Lage, ihren Kunden Wechselgeld auf eine US-Dollarnote zu erstatten. Dies bringt neue Probleme mit sich.

Simbabwes Wirtschaft geht es nach erfolgter „Dollarisierung“ zwar ein wenig besser, doch die ehemaligen Ersparnisse sind in Zeiten der Hyperinflation komplett untergegangen

Als Simbabwe im Jahr 1980 seine Unabhängigkeit von Großbritannien durchsetzte, trat Staatspräsident Robert Mugabe sein Amt mit dem Vorsatz an, seinen Bürgern zu einem besseren Leben und dem Land einer auf ewig prosperierenden Wirtschaft zu verhelfen. Nach mehr als 30 Jahren ist Mugabe immer noch im Amt. Heute allerdings ohne die Rückendeckung einer großen Mehrheit seiner Landsleute.

Unbestritten ist, dass das ehemalige Südrhodesien während der britischen Kolonialzeit eines der ertragreichsten und wohlhabendsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent war. Nicht umsonst nannte man das Land die Kornkammer Afrikas. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Zwanzig Jahre Misswirtschaft der Regierung von Robert Mugabe führten im Jahr 2000 dazu, einen Sündenbock für die schlechte Wirtschaftsentwicklung ausfindig machen zu müssen. Dieser Sündenbock wurde in den weißen Farmern des Landes gefunden, die hier seit mehreren Generationen sehr erfolgreich Landwirtschaft betrieben.

Simbabwes Beteiligung am zweiten Kongokrieg, der 1998 begann und 5,4 Millionen Menschen das Leben kostete, veranlasste die Regierung dazu, Milliarden an Zimbabwe Dollars auszugeben. Simbabwes Probleme gerieten bereits kurz danach vollkommen außer Kontrolle. Nach der Vertreibung der weißen Farmer und der Konfiszierung und Neuverteilung ihres Landes unter der schwarzen Bevölkerung, fiel die landwirtschaftliche Produktion in den Jahren 2000 bis 2007 um satte 51%, was zu einem horrenden Anstieg der Arbeitslosigkeit führte (die im Moment bei sagenhaften 94% liegt).

Neueste Zahlen zeigen, dass die simbabwische Lebensmittelproduktion seit Enteignung der weißen Farmer bis heute um mehr als 70% eingebrochen ist. Um die Stellung des international höchst unbeliebten Staatspräsidenten Robert Mugabe zu unterminieren, verabschiedeten die USA im Jahr 2001 den “Zimbabwe Democracy and Economic Recovery Act”. Dieses Gesetz verhängte Sanktionen gegen Simbabwe und führte letztendlich dazu, dass der IWF und andere Finanzinstitutionen das Land im Süden Afrikas aufgaben. Der Verlust der Fähigkeit, weiterhin Kredite an den globalen Kapitalmärkten aufzunehmen, war Hauptauslöser für die komplett außer Kontrolle geratende Gelddruckerorgie der simbabwischen Regierungsinstitutionen.


Abb. 1: Auf dem Höhepunkt der Hyperinflation trugen die Bürger Simbabwes Geldstapel in die nahezu leer gefegten Supermärkte. 100 Billionen Zim Dollars kauften damals ein Paket Zucker.

Nachdem Simbabwe im Jahr 2001 seine Zahlungsunfähigkeit auf ehemals durch den IWF gewährte Kredite erklärte, was die Aussetzung der Wahlrechte beim IWF zur Folge hatte, druckte die Regierung massiv Geld in dem Versuch, diese Kredite zurück zu bezahlen und auf diese Weise wieder Zugang zu frischen Krediten zu erhalten. Diese Maßnahme schaffte es jedoch in keiner Weise, das Blatt zu wenden. Mit der Intention, sich der Loyalität des Militärs zu versichern, erhöhte Mugabe dessen Gehälter – und erneut war der einzige Weg, um diese Rechnung zu bezahlen, das Anwerfen der Druckerpresse.

Gewiss hätte Mugabes Regierung die Ausgaben seiner Regierung reduzieren können, nachdem sich die ausländischen Kreditgeber zurückgezogen hatten, was allerdings wiederum zu einem Kontrollverlust über seine Regierung sowie einem sich daraus ergebenden politischen Aufruhr geführt hätte. Mit welchen ökonomischen Bedingungen hatten sich die Einwohner von Simbabwe auseinander zu setzen? Mitte November 2008 erreichte die Inflationsrate unglaubliche 79.600.000.000 Prozent, was gleichzusetzen ist mit sich alle 24 Stunden verdoppelnden Preisen (wie die Abbildung unten zeigt, die die Entwicklung des Wertverlusts der Währung im jeweiligen Jahr abbildet).

Abb. 2: Inflationsentwicklung in Simbabwe zwischen den Jahren 2000 und 2008 im Januar 2009 gab die Regierung eine Zim Dollar Banknote mit einem nominalen Wert von 100 Billionen aus.

Um diesem noch nie zuvor gesehenen Hyperinflationsproblem Abhilfe zu schaffen, legalisierte die Regierung im Januar 2009 schließlich kommerzielle ausländische Währungstransaktionen, was zuvor eine Schwarzmarktpraxis gewesen ist. Vor dieser Maßnahme erreichte die Banknote mit dem höchsten Nominalwert unvorstellbare 100 Billionen Zimbabwe Dollar, für die man – wenn man Glück hatte – gerade einmal ein Paket Zucker oder Ähnliches erwerben konnte. Diese offizielle „Dollarisierung“ von Simbabwes Wirtschaft fand jedoch genau zu dem Zeitpunkt statt, als sich die Bedingungen wieder verbesserten.

Merkwürdigerweise sind immer noch viele Produkte des alltäglichen Lebens sündhaft teuer – so bezahlt man beispielsweise für ein Haus mit drei Zimmern in der Hauptstadt Harare 450.000 US-Dollar. Auch Bohnen und andere Gemüsesorten liegen weiterhin 50% über den vergleichbaren Preisen in den USA. Diese Situation wird jedoch durch eine Lieferknappheit hervorgerufen, die durch politische Preiskontrollen und Beschäftigungsregeln geschaffen wurden, die es schwierig machen, Arbeiternehmer einzustellen oder zu entlassen. Der heute als offizielle Währung anerkannte US-Dollar macht es vielen Geschäftsinhabern jedoch schwierig bis unmöglich, den Kunden Wechselgeld auf eine US-Dollarnote zu erstatten.

Es fehlt schlichtweg an entsprechendem Münzgeld. Die Idee der simbabwischen Regierung, eigenes Münzgeld zu fertigen und staatlich zu garantieren, trifft unter der Bevölkerung hingegen auf rigorose Ablehnung. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Bevölkerung in Zeiten der Hyperinflation ihr gesamtes Geldvermögen und ihre Ersparnisse verloren haben.

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